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Sprache ist alles,
was noch nicht
geschrieben steht.
Ky, in: "my back pages"
Wellen eins.
wellen des LEBENS
wellen der zeit
Strömungen
wellen des meeres
wellen der ruhe
wellen des schlafes
Entspannung.
Zwei Personen treffen sich einmal im Jahr auf einer Insel, zur Entspannung, um Abstand von der Hektik des Alltags zu finden, zur mentalen Ruhe. Obwohl sie in der gleichen Stadt wohnen und arbeiten, treffen sie sich jedoch selten in entspannter Atmosphäre, wie hier am Meer. Deshalb ergaben sich diese Promenaden, die sie jedesmal von neuem amüsieren.
Beide haben soeben ihre Domizile verlassen, um sich gemeinsam zum Strand zu begeben, wo sie wogende Wellen mit angenehm erfrischenden Winden mit sanften Brisen begrüßen, um sie zu anregenden Gesprächen zu animieren. Gerade am sandigen Ufer angekommen, beginnt er mit einer ersten Feststellung:
Etwas, das einem hier, unter diesen angenehmen Bedingungen kaum einfallen will, sind Gedanken an Toleranz, diese tägliche Übung. Auch, was das Schreiben angeht. Schreiben als täglichen Versuch, den leider all zu viele heute unterlassen. Sagt er zu ihr, worauf sie bestätigend fest stellt.
Verloren im Alltagsgefühl, entschuldigt man sich mit seinen Genen. So, als hätten die etwas damit zu tun. dass man zu viel von dem, oder zu wenig von jenem konsumiert. Ob man zu viel raucht oder zu viel Torte munkt, zu wenig schläft oder ungenügend Vitamine zu sich nimmt. Es ergibt sich dabei kein Schritt zu einer Balance des Alltags oder des Lebens. Beides geht nicht, entfernt sich zu sehr von der gesunden Mitte.
Da magst du Recht haben. Reden wir jetzt aber nicht von jenen, die eigen verschuldet, ihrem guten Geiste nicht frönen wollen.
Wie es zu oft den Anschein hat. Du kommst immer gleich zum Thema. An jedem Strand, auf jeder Insel, mit jeder Welle, an jedem Meer. Als wäre das Rauschen der Meereswellen schon genügend an Inspiration für dich.
Die Verlorenen bestrafen sich selber.
Sozusagen, als dein Gegenpart.
Nicht übertreiben. Aber herumredend, bedenken viele leider nicht, dass jeder am Ende mit sich da stehen wird, was man ungern mit sich austragen will, um sich vom Gewissen beissen zu lassen und am Gottesreich zu zweifeln, statt sich daran zu erfreuen.
Jeder plagt sich auf seine Weise. Die Schuldigsten wollen ohne Schuld sein, dabei.
Manche sind heute mental so weit zurück, dass sie erwarten, dass sich andere so verhalten sollen, wie sie über sie zu denken pflegen. Ein natürliches Paradoxon, denken sie.
Natura non saltat, satura saltat. Steht bei Peter Rühmkorf geschrieben.
Aha! Geht dies nicht auf Linne zurück? Die Natur mache keine Sprünge.
Ja. Aber Menander schrieb schon derariges in seinen Sprüchen.
Und Rühmkorf setzte hinzu: die Sattheit schon.
Oder das gesättigt sein. Im Übermaß unserer Zeit, dem heute so viele frönen. Debaucher sagen die Franzosen.
Je älter du wirst, desto mehr verlierst du. Je älter du bist, desto mehr bist du verloren.
Das Leben als Rest an Zeit. Die wir nutzen sollten.
Als Überleitung von der Sattheit zur Verlorenheit. Aber verlassen wir dieses leidige Thema zu Beginn. Scheint mir kein all zu optimaler Einstieg.
Stimme zu. Heraus aus der Negativschiene des Alltags, die mit den Wellen um uns nicht gut harmonisieren.
Allein deshalb schon. Wobei mir etwas einfällt. Zwischen Gewissensbissen und Gedankenbeschäftigungen gibt es einen immensen Unterschied, aber der sich als reduzierend zeigende Kleingeist will ihn nicht sehen, denn er übersteigerte sein Urteilsvermögen. Er müsste ja Vorurteile abbauen, was ihn doch zu sehr an strengte und non konform gehen ließe, was er ja absolut nicht will. Also plagt er sich lieber mit seinem Bissen, guckt weiter und redet über andere, als seien sie Außerirdische.
Etwas übertrieben, aber treffend ausgedrückt. Dabei denke ich auch an Ponge, was die Sprache angeht, oder an Pavese, wegen der Sache und dem Nichtgesagten. Wobei mir auch das Nichtgeschriebene einfällt, das ja real noch näher zu sein scheint. Denke nur daran, wie es Wittgenstein formulierte. Was wir sagen und schreiben ist nur ein kleiner Ausschnitt all dessen, was uns nicht auf der Zunge lag.
Weil man denken will, es wird noch bald geschrieben?
Insbesondere, womöglich.
Wie oft passiert es, dass wir eine Passage in einem Buch lesen, davon begeistert sind, um einige Tage später denselben Abschnitt lesend, dies nicht mehr nachvollziehen können?
Vor allem, weil immer unsere augenblicklichen Assoziationen mitschwingen, die beim Nachlesen so nicht mehr vorhanden sind.
Deshalb. Wie die Wellen. Jede für sich und zusammen das Meer.
Auch Glück ist immer als etwas Verlorenes zu denken. Fällt mir diesbezüglich ein. Wie es Peter Sloterdijk formulieren wollte.
Quatsch. Glück ist doch immer mehr, als du zu denken vermagst. Du hast es doch auch, ohne daran denken zu müssen.
Da ist was dran. Vom Verlorenen wollen wir erst nicht reden.
Eben. Sloterdijk will offenbar eine Negativratio vermitteln, wie wir zu Anfang?
Scheinbar als Kantsche Fehldeutung?
Noch ein Fehldeuter? Wie es bei Goethe heißt:
Nemo contra deum, nisi deus ipse.
Niemand ist ohne Gott, wenn nicht Gott selbst.
Geht das nicht schon zu weit? Ist das schon Atheismus? Dediosierung?
Ach, heute ist doch viel mehr erlaubt. Aber so wollte ich es auch nicht ins Extrem treiben. Nur wegen Sloterdijk? Nein, nicht vergleichbar. Grundsätzlich kann man weder Gott noch sein Glück verlieren. Will ich damit nur zum Ausdruck bringen. Verloren ist im Grunde doch nur der Mensch in sich durch seine mögiche Orientierungslosigkeit.
Lassen wir also die Menschen ihre Wellen wie ihre Zeit finden, denn jede Woge der Wellen hat ihre Zeit.
Sprechen wir doch auch von einer Art von Verlorenheit mancher Menschen ohne die Wogen des Glücks.
Die zu diesem Menschsein gehören muss.
Unbedingt. Wie in seinen ganzen Gegensätzen, seinem Lachen, seinem Murren, seinem Grinsen, seinem Knurren und Grämen, seiner Divergenz in Gestik und Mimik, eben auch seinen Widersprüchen zu sich selbst.
Gibt es doch immer nur eine deutliche Form einer Gestik, einer Mimik, wie eines Lächelns.
Wie ja Duchenne so deutlich mit seinem einzig offenen Lachen Nummer 19 erkannte.
Seine Gestik sollte man beherrschen, wie sein Lachen, denn sie sind doch wichtigste Elemente im täglichen Umgang miteinander, besonders auch, was die nonverbale Kommunikation angeht, dem Umgang ohne Worte, also der nichtgesprochenen Sprache, all dessen, was wir sagen, ohne etwas gesagt zu haben, das also subjektiv interpretiert wird, wie ebenso die Mimik, die aber mehr typisiert wird, wie ein Erkennungszeichen kodiert und dekodiert wird.
Was auch darauf schließen lässt, dass wir die ganze Wahrheit niemals sagen können, denn sie ist viel zu vielgestaltig und zu wenig vereinbar, mit dem, was wir sagen und nicht sagten, und vor allem, was wir dabei eben zeigten, mit Gestik, Mimik, mit Lachen, Grinsen, Grimmen und Blicken zum Ausdruck geben wollend.
Wahrheit kann also nie eindeutig sein.
So meine ich. Mir scheint oft sogar, Unwahrheit wirke deutlicher.
So verraten wir uns fast ständig, je weniger wir uns bewusst kontrollieren. Mehr noch mit der Wahrheit als bei der Unwahrheit.
Wird die deshalb so leichtfertig vorgezogen?
Könnte man ironisch unterstellen. So ist der Einzelne in seinem Ausdruck immer unvollkommen.
Schlussfolgernd richtig gesagt.
Woraus sich auch leichtfertig die Fackeln der Zwietracht auflodern lassen, wie uns Alltag und Fluten von Nachrichten zeigen, denen wir heute ausgesetzt sind.
Wie es Voltaire auch schon klar stellte: die Fackeln der Zwietracht sind für vieles Leid der Menschheit gezündet worden.
Sah er richtig. So lenkt aber ein gut belebter Gedanke schon genügend ab, trägt über den Tag, dass man sich nicht auch medial verleiten lassen müpsste, den Tag besser für sich zu nutzen, ohne all das, was man nicht durch den Tag denken sollte, ergo nicht mochte.
Wohl jedem, der seine guten Gedanken tragen kann, bis er selig schlummert und mit ähnlichen aufwachen kann.
Andere dagegen fallen mehr auf durch abstreiten, ablehnen, widersprechen, angeben, rummosern und dergleichen Unflätigkeiten.
Was sich heute aber weitgehend gelegt zu haben scheint.
Fürwahr. Es lohnt sich also doch seine guten Gedanken über den Tag zu tragen, denn er bedeutet dir mehr als zehn wirre unsortierte Streitpunkte. Wenn die Welt dich nicht interessieren sollte, du die Güte Gottes aber in deinen Augen trägst, so magst du ihn sehen solange du lebst, ähnlich wie in einem Spiegel.
Und es gibt etwas, das über den Tag hinausträgt, das Gute, was man an anderen Menschen ebenso sieht, wenn man sich nicht an seiner Andersartigkeit stören will.
Einfach, indem man sich in seiner Sichtweise mehr anstrengt. Willst du sagen?
Eben. Wie man sich ja auch Dinge über sich einbildet, erlaubt man sich auch über andere zu denken, was nicht unbedingt zutrifft. Warum nicht auch mehr noch in positiver Weise?
Man gewinne so eine humorigere Sicht über andere, die aus eigenen Ursprüngen kommt, nicht so sehr aus nachgemachten Gebaren.
Ich verstehe, Humor und geistige Einstellung gleichschalten, dann ist mehr getan, auch mehr erkennbar, was der guten Kommunikation diene.
Offenheit, die sich schon mit Blicken beweist, erkennbares Vertrauen ohne viel Worte.
Dagegen kann Vorurteile andeuten wollen lästig sein. Dulde dir also keine Feigheit in deiner Offenheit, die vermeidest vieles an lästigem Umgang.
Wie sich leicht erfahren lässt. Man sollte derart schon garnicht erst auf den anderen eingehen, wenn er oder sie solcherlei Frust abzuladen gedenkt. Der Aufgeweckte erkennt das schon mit einem Blick und wahrt sich dagegen.
Konfliktgebaren umgehen ist das einfache Rezept, das ist alles, kein Geheimnis für jeden, der sich unter Kontrolle halten will.
Kontrolle der eigenen Person. Das ist alles, dann bedarf es auch nicht der Macht.
Das Geheimnis der Macht besteht in der Feigheit des Anderen, stellte Börne fest.
Das sah er richtig, richtiger noch als Nietzsche, der einfach nur vom eigenen Willen ausging, nicht aber von der Schwäche des Willen des Anderen.
Dulde dir also keine Schwäche noch Feigheit bei anderen.
So ist es gemeint. Nichts unter den Teppisch kehren und immer mutig seiner Persönlichkeit folgen.
Ach ja. Da gibt es auch Unterschiede, verschiedene Stufen: wenn ich zu dir sage, was für ein toller Kerl ich sei, ist das schlicht Reklame. Wenn ich dir sage, wie reizend ich aussehe, ist das schon Werbung. Aber wenn du jemandem sagen würdest, was für ein toller Kerl ich sei, dann ist das public relations, PR.
Die noch nicht der Subdominanz der Macht unterliegen muss. Gut auch so.
Dieser Kontrapunkt leuchtet mir auch ein. Im Wesentlichen bleiben die Gedanken und die können eine Menge an Quanten sein, die deine defensive und Angriffskraft bedeuten.
Reden kommt mehr aus dem Denken, Schreiben dagegen führt zum Denken, stelle man fest. Wer Macht ausüben will, der muss das simple Denken der Anderen beachten, will ich damit sagen. sonst wird er oder sie irgendwann die Macht wieder los sein.
Macht meide vor allem den Negativdialog?
Unbedingt. Sie tut gut daran.
Bei manchen Machtgelüstigen könnte man meinen die Wahrheit hätte zwei Spiegel, einen, in den man selber blickt und einen, in den die anderen sehen sollen.
Gewiss, da ist viel dran, man würde sich wundern, was die Machtgelüstigen so alles missdeuten wollten.
Gilt eher das geschriebene Wort, oder zählt doch das gesprochene mehr?
Intelligente Dinge sollte man nicht nur sagen, sondern auch nieder schreiben und so besser in sich wissen und tun können. Eine Frage auch der Nächstenliebe, wenn man vom Reden ausgeht. Wie schon Pavese meinte.
Er wusste, dass das Leben nie nur Kunst sein kann.
Wie es keine Kunst zu leben je geben könnte, nur ein Zwang zum nächsten Tag und die Freude dabei.
Die wir uns zueigen machen sollten. Ungekünstelt.
Denn die Lebenserfahrung zeigt doch, dass die Sorgen an Übermorgen erst Morgen möglich machen.
Nur die Kunst der eigenen Fertigkeit kann sich jeder aneignen, um etwas zu schaffen.
Und das Unmögliche verschiebt sich damit, wie zur Sorglosigkeit.
Ergo findet die Macht auch keine Feigheit.
Bedeutet, bessere Zeiten für die Besseren.
Dennoch gab es immer die Zeiten der Macht, durch den Missbrauch der Mächtigen.
Die Zeiten der Philanthopie sind jene, in denen man Bettler einsperrt, stellte Pavese auch fest.
Sieht man auch heute noch so.
Die Dinge, die umsonst sind, die kosten am meisten, denn sie kosten auch die Anstrengung zu begreifen, dass nichts umsonst sein kann.
Ein ewiger Fakt. Wie man sieht. Dabei wird mancher zornig.
Aber der Zorn ist nie plötzlich da, er kommt eher aus einem langen unausgesetzen Nagen, das im Geist etwas aufgebaut hatte, das schwelen kann bis zum ständigen Kick.
Wohl dem, der sich davor bewahren kann.
Nicht immer will es einem gelingen, nicht jeder hat sich immer im Zaum.
Ärgern findet immer Gründe, ist immer relativ, abhängig von Umständen und gelingt nie auf hohem Niveau. Immer ist man Opfer seiner unkontrollierten Leichtsinnigkeit. Leidenschaften und Tugenden spielen gerne ihre Rolle dazu.
Man legt auch mehr Wert auf Sinnigkeit.
Ichsynchrone Zuneigung ist dabei meist nur von kurzer Dauer, flacht ab, denn man weicht stets auf sich aus, auf sein Selbst, das im Wege dessen steht, was zu klären wäre.
Man findet den gemeinsamen Nenner selten, besonders im Zorn. Und Idiosynchrasien stoßen ich ab.
Leider versuchen wir mehr an den anderen zu korrigieren, als an uns selbst.
Ein ständiger Fehlversuch.
Menschen gemeiner Art werfen dir gerne vor, was sie in dir entfachen. Sie wollen ihre falschen unausgegorenen Ansichten noch bestätigt sehen.
Und sehen ihre missratenen Vorstellungen dabei am allerwenigsten.
Wenn man sich dann zum Scherz entblößte, wird man auch noch ernst genommen.
Man sieht auch nicht ein, dass man derart zu keinen guten Ergebnissen kommt.
Um das Leben auszudrücken muss man oft vieles verschweigen.
Was dann leider nirgends geschrieben steht
Eben, das ist Sprache, die noch nicht geschrieben steht.
Beendet man sein Schweigen, beginnt man bald auch nieder zu schreiben.
Ein weiterer Kommentar erübrigt sich. Gehen wir wieder zurück.
Lauschen wir noch eine Weile den Wellen.
Ein ewiger Gleichklang.
Dennoch beruhigende Momente.
Auf dann!
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