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EINE
NACHT
UND
TAUSEND
TAGE
EIN HISTORISCHER ROMAN DER GROSSEN VÖLKERWANDERUNG
von
Ky Kyde
PROLOG
Im Frühjahr des Jahres 376 nach Christus hörten römische Garnisonen an der Donaugrenze, dass ganze Horden von Nomaden und Kriegerstämmen auf dem Vormarsch seien, um über den breiten Strom zu gelangen und in die Gebiete ihres Imperiums einzudringen. Das Reich des Gotenkönigs Ermanarich, nördlich der Schwarzmeerküste, war schon an die Hunnen gefallen, die sich dann mit ihren Horden in aller Eile weiter nach Westen bewegten.
Diese Initialzündung, eingeleitet durch die wütenden Kriegerstämme der Hunnen, welche vorher viele Jahre raubend und mordend mit ihren berittenen und bestialisch aussehenden Bogenschützen, durch den asiatischen Raum zogen, sich mit den indogermanischen Stämmen der iranischen Alanen zuerst bekriegten und bald verbündeten, um dann in diesem Frühling Ausbreitung in den römischen Territorien hin zum Donaugebiet zu suchen. Der permanent immense Expansionsdrang im zentraleuropäischen Raum verursachte aus den Entwicklungen heraus zunehmend massive Bevölkerungsbewegungen, insbesondere unter den erstarkten germanischen Stammesverbänden der Goten, Wandalen, Burgunder und Sueben.
Während sich in den Jahrhunderten zuvor, seit dem Ende der langen Keltendominanzen über Gallien, immer nur Stammesbewegungen in andere Gebiete vorwagten, kam es jetzt wahrhaftig zu Bewegungen durch die verschiedensten Volksgruppen, die in den folgenden Jahren den Weg nach Gallien, Iberien, Britannien und sogar bis in die Nordgebiete von Afrika erreichten und sich über viele Jahrzehnte hin ausbreiteten.
In einem Zeitraum von dreißig Jahren bekriegten und sammelten sich die unterschiedlichsten Stammesgruppen, um dann im Dezember des Jahren 406 zur Rheingrenze hin zu gelangen, wo sie dann notgedrungen den Strom überschreiten mussten. Woraufhin sich Geschehnisse ereignen sollten, die in den Büchern der Geschichte nur allzu nachlässig, fast übersprungen wurden, tatsächlich jedoch prägend sein sollten für die Kultivierung der besiedelten Gebiete.
Abertausende von Menschen waren in ihrer Not dazu gezwungen worden in andere Lebensräume vorzudringen, die Orte ihrer Ansässigkeit verlassend, quer über den europäischen Kontinent bis nach Germanien zur natürlichen Grenze des Rheins zu gelangen. Nicht nur, dass das römische Imperium sich durch die andauernden Einfälle von Hunnen, Alanen und Goten bedroht fühlen musste, nein, auch die vertriebenen anderen Völkerstämme stellten jetzt eine unberechenbare Gefahr dar, die der Weltmacht Rom keineswegs ins imperiale Konzept passen konnte.
Die Ausdehnung des römischen Imperiums hatte in den Provinzgebieten, welche schon Julius Caesar Germanien nannte, gut besiedelte und befestigte Städte entstehen lassen, bis hinauf zur Nordsee, dem Mare Germanicum der Römer, insbesondere jedoch am Rhein, dem Grenzstrom zu Gallien, zu dem sich gegen Ende des Jahres 406 noch ein anderer Strom bewegte, in Gestalt eines langen Hordenzuges getriebener Kriegerstämme, die ohne Rücksichtnahme die Grenzlinien der Römer am Limes überrannten, um alsbald auch in den Rheinstädten Beute zu machen. Ihr Zielgebiet erstreckte sich vom südlicher gelegenen Speyer, hoch nach Worms, wo sich Burgunderstämme niedergelassen hatten, aufwärts zum Niederrhein nach Koblenz, konzentrierten sich jedoch besonders zur Mitte hin, nach Mainz, dem im Jahre 13 vor Christus als Legionslager gegründeten Mogontiacum des Kaisers Augustus.
Neben den verschiedenen Kriegerstämmen trieb es aber noch einen anderen Menschenstrom tausender auf sich gestellter Zivilpersonen in Richtung Gallien, die schon seit einigen Jahren immerzu vor den Kriegerhorden flüchteten, dass es für sie hier nur noch diese eine Richtung über den Rhein geben musste, wodurch sich die Völkerscharen an dem breiten Fluss sammelten. Auch aufgrund dessen, dass sich die rheinischen Grenzen in den Jahren zuvor schon fast entblößt von römischen Truppen zeigten, seitdem sich deren letzte dort stationierten Einheiten weitgehend aus den Gebieten von Germanien und Gallien zurückgezogen hatten. Die bis zuletzt verbliebene zweiundzwanzigste Legion der Römer wurde fünf Jahre zuvor, im Jahre 401, zur Donau beordert, um dort andere stark bedrohten Linien zu verteidigen.
1
Nach Mainz
So bewegten sich zum Ende des Monats Dezember, an diesem frostig kalten Tag vor Silvester des Jahres 406, in zunehmender Zahl Zivilpersonen vom Limes her nach Westen, die bald über den zu geeisten Rheinstrom kommen wollten. Unter ihnen befand sich eine kleinere Gruppe von Personen, die schon für längere Zeit ihr Schicksal gemeinsam teilten und dem Ansturm trotzend, hierher fanden.
Ihnen blieb, wie jeder von ihnen jetzt denken musste, als sie am Nachmittag an der Stadtgrenze von Mainz angekommen waren, nur noch diese eine Gelegenheit, um in das ruhigere Gebiet auf die andere Seite des Flusses zu gelangen, wo man den kriegerischen Stämmen ausweichen könnte, obwohl diese bestimmt ebenfalls über den zugefrorenen Strom kommen wollten, um in Gallien ihr Unwesen zu treiben.
Beim Betreten der rechten Rheinseite des Stadtgebietes von Mainz, glaubte sich die kleine Gruppe in einen Ameisenhaufen verirrt zu haben, insbesondere da sie die Hafengegend erreichen mussten. Das kriegerische Geschehen spielte sich noch weitgehend im Landesinneren ab, aber schon jetzt breitete sich Unruhe im Stadtzentrum aus, was den vierzehn Personen, die sich bis zum Hafen durchschlängelten, einiges an Unbehagen bereitete. Ihr Anführer, falls er sich so nennen lassen wollte, ist ein gut gewachsener, mittelgroßer, blonder Wandale namens Harys, der mittlerweile drei Jahre ununterbrochener Wanderschaft hinter sich hatte. Für ihn schien es jetzt wichtig seine Leute zusammen zu halten, was in diesem Pulk von Menschen nicht ohne Probleme ablaufen konnte.
Erst mal nach Gallien. Sagte er schon so oft zu seinen Gefährten, mit denen er seit vielen Monaten zusammen gewesen ist, bis sie hier ankamen. Auf der anderen Seite des Rheins könnte man sicherer nach Süden gelangen, in ruhigere Gefilde, bis nach Spanien, wo es ganz anders sein soll. Wie er sich hatte sagen lassen. Ideal für eine neue Heimat, in der es sich besser leben ließe, wo man sich auch niederlassen könnte, ohne alle diese Kriegerscharen im Nacken zu spüren. Aber bis dorthin ist es noch ein sehr langer Weg.
Grauenhafte Erlebnisse hatten Harys und seine Freunde schon durchstehen müssen während der Jahre, seit sie aus ihren Gebieten vertrieben wurden. Aber seitdem sie sich zusammenfanden ging das Flüchten permanent weiter. Dass diese Wirren doch einmal ein Ende finden würden, hofften sie soweit vergebens. Das Wandern, das Treiben ohne rechtes Ziel, das Leben ohne Heimat, ohne die Familien, von denen man sich trennen musste. Es gab keinen Haltepunkt für sie. Wie in einem Strom, der keine Mündung zeigen wollte, schienen sie sich zu befinden. Die kleine Personengruppe hatte sich noch gut versorgen können, bevor sie hier ankam, konnte deshalb getrost eine Übergangsstelle angehen.
Heute wird es nicht mehr einzurichten sein, aber morgen sollte sich eine Gelegenheit anbieten. Stellte der dunkelblonde Wandale Harys fest. Es hatten sich in den letzten Tagen Tausende von Menschen hier eingefunden, die genauso dachten wie er. Hier wollte sich niemand lange aufhalten. Die Stadt schien schon aus den Nähten zu platzen. Aus allen Richtungen schwirrten Leute herum, dass Harys und seine Gefährten kaum mehr leichtes Durchkommen fanden, um an den Hafen zu gelangen. Ein Glück, dass sie einen groß gewachsenen Goten bei sich hatten, Ulf genannt, der mit seinem Gardemaß von etwas mehr als zwei Metern, die nötige Übersicht behalten sollte. Es gab keinerlei Schwierigkeiten für den blonden kräftigen jungen Mann, ihnen den Weg zu bahnen. Die anderen folgten der Richtung, die er einschlug. Hinter sich konnte er leicht die mittlere Statur von Harys ausmachen, der ihm mühelos folgte. Aber wohin sie jetzt genau gelangten, ließ sich nicht ohne weiteres feststellen. Sie mussten sich auf das Sichtfeld von Ulf verlassen, der gleich ahnte, welche Straße zum Hafen führte, denn der Drang des Pulks von Menschen verriet die Richtung, jedoch einige seiner Leute verloren ihn dennoch aus den Augen und blieben etwas zurück.
Die Versorgungslage in Mainz hielt sich für die vielen Neuankömmlinge in Grenzen, abgesehen davon, dass die Preise für Nahrungsmittel den allermeisten als unbezahlbar gelten mussten. Von Schlafstätten ganz zu schweigen. Es blieb somit für all die Nomaden ein dringendes Anliegen möglichst schnell über den Rhein zu kommen. Das Nadelöhr erlaubte keinen langen Aufenthalt, zumal auch bald die Kriegerhorden eintreffen könnten. Wer sich zu lange aufhielt, lief Gefahr wieder zurückgedrängt zu werden und vor den Schergen flüchten zu müssen, um nicht in irgendwelche unliebsamen Frondienste zu geraten. Derartiges nicht erleben zu müssen, waren sie schließlich bis hierher gelangt, hatten schon all zu vieles auf sich genommen, alle ihre Ersparnisse und Habseligkeiten eingesetzt, um jetzt noch den letzten nötigen Schritt zu schaffen, auf die gallische Seite zu kommen, wo eine neue, hoffnungsvolle Zukunft, wie ein strahlender Frühling auf sie warten sollte. Aber einfach war es beileibe nicht, waren sie sich völlig sicher. Die Verwaltung der Stadt achtete sehr darauf, gerade jetzt, dass es nicht zu Tumulten mit den Schutztruppen kommen sollte, die auch nicht lange fackeln würden, um von ihrem Eingriffsrecht Gebrauch zu machen.
Harys hoffte, ebenso wie Ulf, noch vor Anbruch der Dunkelheit mit den Gefährten am Hafen wieder zusammen zu treffen, damit sie keine Zeit verlieren mussten. Eine Passiererlaubnis zu erlangen dürfte keine Schwierigkeit darstellen, denn die Hafenverwaltung gab den kleineren Gruppen gerne den Vorrang, wie Ulf aus Erfahrung wusste. Er kannte sich in solchen Angelegenheiten aus, da er einige Jahre bei den Römern in deren Zollverwaltungen beschäftigt war. So zog es ihn förmlich zu einer Zollstelle, die er in ihrer Nähe ausmachte und seinen Freunden durch seine Zielstrebigkeit anzeigte, in dem hektischen Treiben der vielen Passanten.
Hunderte Personen warteten schon ungeduldig an den Genehmigungsstellen darauf, dass sie endlich an die Reihe kommen sollten. Ulf sprach sofort zu einem der zuständigen uniformierten Wachsoldaten, der ihn, wie auch die anderen Militärs, die bei ihm standen, mit strengem Blick anschaute, damit wohl andeuten wollte, dass hier nur eines wichtig sei, nämlich die knappe Zeit.
Wie viele seid ihr? Fragte der Römer in barschem Ton, den gotischen Hünen dabei forsch anblickend, der sich seinerseits nicht aus der Ruhe bringen ließ.
Vierzehn nichtrömische Personen. Antwortete Ulf mit sonorer Stimme, die respektvollen Ton andeutete.
Ich bitte um eine Passiererlaubnis für morgen in der Frühe, so es euch möglich ist.
Habt ihr für alle Personen lizenzierte Nachweise? Dass es in Gallien keine Komplikationen geben kann.
Ja, Herr, jede Person hat einen Nachweis.
Gut! Und deine Beglaubigung?
Hier bitte! Sagte Ulf, ihm den Schein reichend.
Zahlst du die Transfergebühr für alle, in Höhe von sieben Sesterzen?
Ja, die zahle ich.
Gut. Die Passiererlaubnis wird euch an der Zahlungsstelle ausgehändigt. Antwortete der Soldat.
Die Nächsten! Rief er sogleich laut in die Menge, als Ulf abdrehte. Harys zeigte gleich seine Freude über die kurze Abfertigung. Was so eine kräftige Statur doch ausmachte, ganz einfach auf die Reihe bringt. Dazu noch die passende Stimme in der richtigen Sprache und die Verwalter lassen es kurz sein.
Wie gut, dass wir dich bei uns haben dürfen, Ulf. Du bist allen ein große Hilfe. Sagte er ihm, auf die Schulter klopfend.
Enorm, wie du das so locker erledigt hast.
Nun, ich hatte doch Jahre mit solchen Angelegenheiten zu tun, da fällt es einem leichter. Antwortete der Gote gefällig.
Los, lass unsere Leute zusammen kommen! Rief Harys dem Freund zu.
Wir müssen komplett sein, wenn wir weiter wollen. Hier kann man nur all zu leicht etwas verlieren, auch seine Kumpane.
Wohin sie auch liefen, von überall kamen ihnen jetzt Menschen entgegen.
Was geht hier nur vor sich? Fragte Harys.
Das kann doch nicht wahr sein. Konnte er seine Beunruhigung fast nicht in den Griff bekommen.
Ich habe schon vieles erlebt in den letzten Jahren, aber solche Massen von Menschen sind mir noch nie begegnet. Wo kommen die nur alle her? Fragte er Ulf, der neben ihm ging.
Und wo wollen die alle hin? Fragte der große Mann zurück.
Weiß der Kaiser. Gab der kleinere zur Antwort.
Ah, endlich, da sind ja die anderen. Sagte er, die Freunde erblickend.
Aber nicht alle. Stellte Ulf gleich fest.
Wo sind denn unsere Frauen? fragte Harys die Ankommenden.
Habt ihr die nicht mit euch genommen?
Doch, aber wir haben sie unterwegs aus den Augen verloren. Antwortete ihm ein etwas älterer Gote, der sich Wigan nannte und offenbar die Gruppe zusammen halten sollte.
Wir wurden in eine andere Richtung gedrängt, dass ich sie nicht mehr bei uns halten konnte. Aber sie dürften nicht weit weg von hier sein. Stellte er lapidar fest und setzte hinzu.
Lera wird sie wieder zu uns führen, denn die Frauen sind bei ihr gut aufgehoben.
Warten wir hier auf sie? Fragte ihn Harys.
Ja, wir müssen warten.
Lasst uns versuchen auf die andere Straßenseite zu kommen und in die Taverne zu gelangen, die ich dort ausmachen kann. Schlug Ulf vor.
Wir müssen aber Acht geben, dass uns Lera und ihre Gefährten nicht verpassen. Bestimmte der ältere Gote.
Ich bleibe solange hier bis sie eintreffen. Fügte er hinzu.
Ja, gut. Bestätigte ihn Harys und rief dem Langen dann zu:
Los Ulf, versuchen wir auf die andere Seite zu gelangen. Passen wir aber auf, dass uns keine Kutsche überrollt.
Es war mühselig sich durch das Gedränge zu schlängeln, das hier am wenigsten einen Basarhandel zugelassen hätte, so eng ging man aneinander vorbei. Keiner wäre in der Lage gewesen, hier etwas zu kaufen.
Schließlich erreichten sie eine geräumige gut besuchte Taverne, die jedoch weniger Gedränge aufzeigte als auf der Straße, dass man seine Arme wieder weiter ausbreiten konnte. Ulf bestellte gleich einige Getränke, bezahlte sie sofort, nahm zwei Krüge, ebenso wie Harys und zwei andere ihrer Männer, die sodann einen frei gewordenen Platz erhaschten. Alle zeigten sich sehr durstig, denn seit dem Ende des letzten langen Marsches, bis sie die Stadt erreichten, hatten sie nichts mehr trinken können. Daraufhin erschienen auch die Frauen mit dem jungen Alanen Bukinos und Lera, der forschen Gotin, die die Spätankömmlinge zusammen mit Wigan, der auf sie wartete, zur Schenke führte, wo sie Ulf als ersten entdeckten.
Prima! Jetzt können wir uns in Ruhe eine Lagerstätte für die kommende Nacht am Stadtrand ausfindig machen. Nehmt euch alle einen Becher, dass wir endlich gemeinsam auf die fast gelungene Ankunft in Mainz anstoßen können. Auf dass wir morgen in dieser überfüllten Stadt über den Strom kommen. Salut! Freute sich Harys mit seinen Leuten. Und alle stimmten mit ihm ein.
Salut!
Wir hatten Bekannte von unseren Stämmen getroffen, die nach Norden gelangen wollen. Sagte Lera, die sich unterwegs viel und oft für Leute auf der Wanderschaft einsetzte. Harys hatte die Gotin, wie die anderen Frauen, unterwegs aufgenommen. Sie alle mussten ihre Domizile aufgeben und wurden durch die Hordenstürme bis zum Limes getrieben.
Ja, Ähnliches hörte ich auch. Sagte Wigan daraufhin.
Alle möglichen Stämme haben bis hierher gefunden, als seien wir in einer Pilgerstadt eingetroffen. Viele Gotengruppen traf ich, wie aber auch Wandalen und Alanen. Man berichtete mir davon, dass vor der Stadt ein Kampf entbrannte, bei dem die Wandalen eine Niederlage erlitten hätten. Die Legionärslager sollen momentan wieder Truppenbereitschaften bilden. Alemannen zumeist und ebenfalls Franken, die sich mit Römern und Westgoten zusammenschlossen. Es braut sich einiges zusammen, das vor den Stadttoren bestimmt nicht halt machen wird. Auch Heermeister sollen sich hier aufhalten, um weitere Truppen bereit zu stellen.
Lera bestätigte, was er sagte und fügte beunruhigt hinzu.
Wir hörten, dass an der alten Jupitersäule, auf der anderen Flussseite der Stadt, Kundgebungen stattfinden werden, die dem Schutze der Bürger gelten und vor möglichen Unruhen warnen.
Es wird für uns das Beste sein, die Stadt schnellstmöglich wieder hinter uns zu lassen. Meinte Harys schlussfolgernd und bestimmte, sich an alle wendend:
Hört mir zu! Wir müssen morgen frühzeitig über den Rhein kommen. Machen wir uns jetzt auf den Weg, bevor es dunkel wird. Verlassen wir das Hafengebiet zur Vorstadt hin, um näher an die Bewaldungen zu kommen.
Harys hatte unterwegs in Erfahrung gebracht, dass von der Bevölkerung eher Unterstützung als Gefahr ausging. Die Bewohner waren in ihren Siedlungen auf dieser Ostseite der Stadt, eng mit den handwerklichen Zunftbetrieben verflochten, seit Jahren gewohnt mit Nomaden umzugehen, ließen sie die Fremden gerne für ein Paar Tage in ihrer Nähe leben, boten sogar Hilfe an, sofern vonnöten. Besonders für Kinder zeigten sie ein gutes Herz, wenn diese der Hilfe bedurften. Auch mit den angesiedelten Franken ließ es sich gut auskommen, selbst wenn sie hier und da ruppig stur sein konnten. Die Gruppe durfte sich an diesem Abend auf eine geruhsamere Nacht einstellen. Die Kälte wird sich mit einigen dicken Felldecken ertragen lassen. Sah der Wandale auch hierbei kein Problem.
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