Die Rosen der Güte.
Eine Verstehensnovelle
Von
Ky Kyde
Alle mit diesem Werk zusammen hängenden Rechte sind ausschließlich dem Autor vorbehalten, mit Ausnahme der Zitate von Sappho und Archilochos.
1
Takuan. Ins neue Leben
Gebrochenes Herz. Aus.
Gebrochene Herzen. Aus.
Sie wollte das nicht mehr. Nein.
Er wollte das nicht mehr. Nein.
Das Innere nach außen. Nicht mehr. Vorbei.
Ende eines letzten Versuches. Schluss mit den Versuchen.
Schluss mit den Schmerzen. Schluss mit dem Leiden.
Sie hatte es erkannt. Für sich erkennen wollen.
Für immer!
Für immer?
Kann man das sagen? Für immer. Immer?
Bestimmt nicht. Besonders aus der Sicht des Anderen.
Auch nicht aus der Sicht des Kommenden. Das weiß doch niemand.
Aber für sich? Für seine Erfahrung. Aus seiner eigenen Erfahrung. Für seine Lebensweise kann man das schon sagen.
Überall kann man es lesen. Zwischen den Zeilen.
Überall kann man es hören. Zwischen den Dialogen.
Überall kann man es sehen. Wenn sie alleine sind.
Wann ist der Krug voll? Wann läuft er über?
Jetzt?
Ja. Jetzt.
Gebrochene Herzen darf es nicht mehr geben. Sie will es nicht. Sagt sie sich. Endlich.
Gefallene Engel kann es nicht geben. Sind wir doch nur kurz das Leben. Ist das Leben doch nur kurz für uns. Unser Kind ist immer länger in uns. Nichts hält warm genug. Auf Dauer. Bis sich diese Kälte kaum mehr ertragen lässt.
Nein. Kälte lässt sich jetzt nicht mehr ertragen. Gerade dann, wenn man allein gelassen wird.
Mit dem Schmerz?
Man kann keinen Schmerz teilen. Nicht zurück lassen. Kein Organ lässt sich auf den Schmerz behandeln. Nerven sind überall dabei. Nur dabei. Das Stechen der Seele. Doch, wo sollte das sein? Noch andere Schmerzen werden kommen.
Ja. Über die Jahre. Wie dieses dumpfe Denken bleiben wird. Stete Gedanken von einer Narbe. Immer sichtbar. Nie verheilend.
Lieber so. Aber anfangen? Nie mehr so.
Die Blätter fallen. Und wachsen wieder. Sie sind keine Liebe. Brauchen keine Liebe. Oder sind sie mehr Liebe als wir sehen können?
Sind wir zu blind dafür? Zu blind für die Natur. Sind wir zu sehr Kultur? Zu sehr verkünstelt. Künstlich. Unfähig für das Stete?
Stetigkeit? Beständigkeit? Dauerhaftigkeit?
Die Vögel draußen zeigen niemals eine Seele. Oder doch? Sehen wir sie nur nicht? Wir sehen mehr als wir sehen wollen und sehen doch viel zu wenig. Und sie zeigen keine gebrochenen Herzen. Wenn, dann sehen wir sie nicht. Sind wir zu sehr rationales Denken, wo Tiere rationales Fühlen zeigen?
Man muss sie genau ansehen, ihnen zusehen, wie sie tollen. Ihre permanente Freude an Bewegung überdeckt vieles. Jahreszeit auf Jahreszeit. Jahr für Jahr haben sie ihren Spaß. Sie nehmen die Liebe, wie sie ist. Sie nehmen das Leben, wie es kommt. Auf sie zukommt. Sie fühlen das Leben, spüren, wie bewusst, ihr Dasein, ohne viel denken zu müssen.
Menschen sind anders, könnten dies niemals, nie so permanent zeigen. Ein leidiger Vergleich. Wir sind ganz anders. Eine andere Art von Natur.
Menschen benutzen zu sehr das Denken, ihr Denken, für ihr Tun. Verlieren dabei vieles an Glück, an Freuden, an Ausgelassenheit, an Losgelöstheit.
Wir nehmen alles zum Anlass für das Verlieren. Alles komplizieren. Zu kompliziert sein wollen. In Kleinigkeiten besonders. Der Schal verrutscht, als sei er der übertragene Verlust. Der Wasserhahn dreht sich nicht zu, als wollte er nicht los lassen von dir. Der Wind bläst dich fast fort mit einer lauen Brise. Alles nimmt dir die Luft. So trauert kein Vogel. So leidet kein Blatt. Ungern gehst du deine Wege.
Bleibst lieber zu Hause. Gewöhne dich erst wieder an dich. Nur Abstand. Licht im Dunkeln einschalten. Anderen zusehen. Ihre Verluste vergleichen. Eingeschränkt. Die Welt wird jetzt kleiner. Und doch zu groß. Selbst zurück gestellt. Selbstachtung akzeptieren. Es dauert seine Zeit. Man benötigt seine Zeit dazu. Verstand und Gefühl müssen sich erst trennen, bevor sie wieder zueinander finden wollen.
Nein. Sich verlieren gehört nicht dazu. Denn Wert hat jetzt nichts. Die Angst muss kein Begleiter sein. Die Umstände sind andere. Für andere. Keine Fragen. Keine Antworten. Was wollte einer helfen? Hilfe ist kein Ausweg. Der Ausweg ist in dir. Nur in dir. Du hast die Zeit dazu.
Wenn kein Ausweg mehr gewollt ist.
Ausweg? Heraus?
Ja. Der Weg nach draußen. Heraus. Nicht in Räumen bleiben wollen. Sie verschachteln das Geschehene. Das Seelenleid in Kisten. Behältnisse der Seele. Draußen ist keine Sehnsucht mehr. Draußen ist der freie Raum. Unendlichkeit zum Abstand.
Die Ziele der Menschen treffen sich dort,
wo sie sich suchen und finden.
Ky Kyde
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