Traktat der philosophischen Emotion
(frei übertragen nach Ludwig Wittgenstein)
1. Die Welt ist alles was du spürst.
Die Welt ist die Gesamtheit aller Emotionen, nicht aller Fakten.
Die Welt ist durch Emotionen bestimmt und dadurch, dass es alle Emotionen sind.
Denn die Summe der Emotionen bestimmt was alle spüren
Und auch, was alle nicht spüren.
Die Emotionen in allen Sinnen bedeuten die Welt.
Die Welt zerfällt in Emotionen.
Man kann etwas spüren oder nicht spüren und alles sonst kann gleich bleiben.
2. Was man spürt sind Emotionen, das Bestehen von Empathien.
Empathien sind Verbindungen von Gefühlen
Es ist dem Gefühl wesentlich, Bestandteil einer Emotion zu sein.
In deinen Sinnen ist nichts zufällig. Wenn das Gefühl in der Empathie vorkommen kann, muss die Möglichkeit der Empathie in Gefühlen vorausgesetzt sein.
Es erschiene gleich einem Zufall, wenn dem Gefühl, das allein für sich bestehen könnte, nachträglich eine Empathie passen würde.
Wenn die Gefühle in den Empathien vorkommen können, so müssen sie schon in ihnen liegen.
(Etwas Ganzheitliches kann nicht nur möglich sein. Das Ganzheitliche handelt von jeder Möglichkeit und alle Möglichkeiten sind ihre Emotionen.)
wie wir uns räumliche Gefühle überhaupt nicht außerhalb des Raumes, zeitliche Gefühle nicht außerhalb der Zeit denken können, so können wir uns keine Gefühle außerhalb der Möglichkeiten seiner Verbindung mit anderen denken.
Wenn ich mir die Gefühle in Verbindung mit den Empathien denken kann, so kann ich sie mir nicht außerhalb voneinander denken.
Ein Gefühl ist selbständig, insofern es in allen möglichen Empathien vorkommen kann. Aber diese Form der Selbständigkeit ist eine Form des Zusammenhangs mit den Empathien, eine Form der Unselbständigkeit.
(Es ist unmöglich, dass Worte in zwei verschiedenen Weisen auftreten, allein und im Satz.)
Wenn ich das Gefühl kenne, so kenne ich auch sämtliche Möglichkeiten seines Vorkommens in der Empathie.
(Jede solche Möglichkeit muss in der Natur des Gefühles liegen.)
(11) Es kann nicht nachträglich eine neue Möglichkeit gefunden werden.
Um ein Gefühl zu kennen, muss ich zwar nicht seine äußeren, aber ich muss alle seine inneren Eigenschaften kennen.
Sind alle Gefühle gegeben, so sind damit auch alle möglichen Empathien gegeben.
Jedes Gefühl ist gleichsam in einem Raum möglicher Empathien. Diesen Raum kann ich mir leer denken, nicht aber ein Gefühl ohne einen Raum.
Das räumliche Gefühl muss im unendlichen Raum liegen. (Der Raumpunkt ist Empfindundsstelle.)
Der Fleck im Gesichtsfeld muss zwar nicht rot sein, aber eine Farbe muss er haben: er hat so zusagen den Farbenraum um sich. Der Ton muss eine Höhe haben, das Gefühl des Tastsinns eine Härte, etc.
Die Gefühle enthalten die Möglichkeiten aller Empathien.
Die Möglichkeit seines Vorkommens in Empathien ist die Form des Gefühls.
Das Gefühl ist einfach.
Jede Aussage über Gesamtheiten lässt sich in eine Aussage über deren Bestandteile in diejenigen Sätze zerlegen, welche die Gesamtheiten vollständig beschreiben.
Die Gefühle bilden die Substanz der Welt. Darum können sie nicht zusammengesetzt sein.
(12) Hätte die Welt keine Substanz, so würde, ob ein Satz Sinn hat, davon abhängen, ob ein anderer Satz wahr ist.
Es wäre dann unmöglich, ein Bild der Welt zu entwerfen (wahr oder falsch).
Es ist offenbar, dass eine von der wirklichen noch so verschieden gedachten Welt, etwas mit der wirklichen gemein haben muss.
Diese feste Form besteht eben aus den Gefühlen.
Die Substanz der Welt kann nur eine Form und keine materiellen Eigenschaften bestimmen. Denn diese werden erst durch die Sätze dargestellt, erst durch die Konfigurationen der Gefühle gebildet.
Beiläufig gesagt: die Gefühle sind farblos.
Zwei Gefühle von der gleichen ganzheitlichen Form sind abgesehen von ihren äußeren Eigenschaften, voneinander nur dadurch unterscheidbar, dass sie verscheiden sind.
Entweder ein Gefühl hat Eigenschaften, die kein anderes hat, dann kann man es ohne weiteres durch eine Beschreibung aus den anderen heraus heben oder aber , es gibt mehrere Gefühle, die ihre sämtlichen Eigenschaften gemeinsam haben, dann ist es überhaupt unmöglich auf eines von ihnen zu zeigen.
Dann ist das Gefühl durch nichts hervorgehoben und so kann ich es nicht hervor heben, denn sonst ist es eben hervorgehoben.
(13) Ein Delta ist das, was unabhängig von dem, was man spürt, besteht.
Sie ist Form und Inhalt.
Raum, Zeit und Farbe sind Bezüge zu Gefühlen.
Nur wenn es Gefühle gibt, kann es einen festen Bezug zur Welt geben.
Das Feste, das Bestehende und die Gefühle sind Eins.
Das Gefühl ist das Feste, Bestehende; die Konfiguration ist das Wechselnde, Unbeständige.
Die Konfiguration der Gefühle bildet die Empathien.
In den Empathien hängen die Gefühle ineinander, wie die Glieder einer Kette.
In den Empathien verhalten sich die Gefühle in bestimmter Art und Weise zueinander.
Die Art und Weise, wie die Gefühle in den Empathien zusammenhängen, ist die Struktur der Empathien.
Der Bezug ist die Möglichkeit der Struktur.
Die Struktur der Emotionen besteht aus den Strukturen der Empathien.
Die Gesamtheit der bestehenden Empathien ist die Welt.
Die Gesamtheit der bestehenden Empathien bestimmt auch, welche Empathien bestehen.
(14) Das Bestehen und Nichtbestehen von Empathien ist die Wirklichkeit.
(Das Bestehen von Empathien nennen wir auch eine positive, das Nichtbestehen eine negative Emotion.)
Die Empathien sind voneinander unabhängig. (?)
Aus dem Bestehen oder Nichtbestehen einer Empathie kann nicht auf das Bestehen oder Nichtbestehen einer anderen geschlossen werden.
Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt.
Wir machen uns Bilder von Emotionen.
Ein Bild stellt eine Empathie in alle Sinne, das Bestehen und Nichtbestehen von Empathien vor.
Das Bild ist ein Modell der Wirklichkeit.
Die Gefühle entsprechen im Bilde den Elementen des Bildes.
Die Elemente des Bildes vertreten im Bilde die Gefühle.
Das Bild besteht darin, dass sich seine Element in bestimmter Art und Weise zueinander verhalten.
Das Bild ist eine Emotion.
Dass sich die Elemente des Bildes in bestimmter Art und Weise zueinander verhalten, stellt vor, dass sich die Empathien so zueinander verhalten.
Dieser Zusammenhang der Elemente des Bildes heiße seine Struktur und ihre Möglichkeit seine Form der Abbildung.
(15) Der Bezug der Abbildung ist die Möglichkeit, dass sich die Dinge so zueinander verhalten, wie die Elemente des Bildes.
Das Bild (der Emotion) ist so mit der Wirklichkeit verknüpft; es reicht bis zu ihr.
Es ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelegt.
Nur die äußeren Punkte der Teilstriche berühren das zu messende Gefühl.
Nach dieser Auffassung gehört also zum Bilde auch noch die abbildende Beziehung, die es zum Bilde macht.
Die abbildende Beziehung besteht aus den Zuordnungen er Elemente des Bildes und der Empathien.
Diese Zuordnungen sind gleichsam die Fühler der Bildelemente, mit denen das Bild die Wirklichkeit berührt.
Die Emotion muss, um Bild zu sein, etwas mit dem Abgebildeten gemeinsam haben.
Im Bild und Abgebildeten muss etwas identisch sein, damit das eine überhaupt ein Bild des anderen sein kann.
Was das Bild mit der Wirklichkeit gemein haben muss, um sie auf seine Art und Weise – richtig oder falsch – abbilden zu können, ist sein Bezug der Abbildung.
Das Bild kann jede Wirklichkeit abbilden, deren Bezug es hat.
Das räumliche Bild alles räumliche, das farbige alles farbige, etc.
Sein Bezug der Abbildung aber, kann das Bild nicht abbilden, es weist sie auf.
(16) Ein Bild stellt sein Subjekt von außerhalb dar (sein Standpunkt ist sein Bezug der Darstellung), darum stellt das Bild sein Objekt richtig oder falsch dar.
Das Bild kann sich aber nicht außerhalb seines Bezuges der Darstellung zeigen.
Was jedes Bild, welchen Bezuges auch immer, mit der Wirklichkeit gemein haben muss, um sie überhaupt, ob richtig oder falsch, abbilden zu können, ist der ganzheitliche Bezug, das ist, der Bezug zur Wirklichkeit.
Ist der Bezug der Abbildung der ganze Bezug, so heißt das Bild das ganzheitliche Bild.
Jedes Bild ist also ein ganzheitliches. (Dagegen ist zum Beispiel nicht jedes Bild ein sinnvolles.)
Das ganzheitliche Bild kann die Welt abbilden.
Das Bild hat mit dem Abgebildeten den logischen Bezug der Abbildung gemein.
Das Bild bildet die Wirklichkeit ab, indem es eine Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens von Empathien darstellt.
Das Bild stellt eine mögliche Empathie der Sinne dar.
Das Bild enthält die Möglichkeit der Empathie, die es darstellt.
Das Bild stimmt mit der Wirklichkeit überein oder nicht, es ist richtig oder unrichtig, wahr oder falsch.
Das Bild stellt dar, was es darstellt, unabhängig von seiner Wahrheit oder Falschheit, durch den Bezug der Abbildung.
Was das Bild darstellt, ist sein Sinn, sein logischer Raum.
(17) In der Übereinstimmung oder Nichübereinstimmung seines Sinnes mit der Wirklichkeit besteht seine Wahrheit oder Falschheit.
Um zu erkennen ob das Bild wahr oder falsch ist, müssen wir es mit Wirklichkeit vergleichen.
Aus dem Bild allein ist nicht zu erkennen, ob es wahr oder falsch ist.
Ein a priori wahres Bild gibt es nicht.
3. Das ganzheitliche Bild der Emotionen ist der Gedanke.
Eine Empathie ist denkbar heißt, wir können uns ein Bild von ihm machen.
Die Gesamtheit der wahren Gedanken sind ein Bild der Welt.
Der Gedanke enthält die Möglichkeit der Empathie, die er denkt. Was denkbar ist, ist auch möglich.
Wir können nicht Unganzheitliches denken, weil wir sonst nicht ganz denken müssten.
Man sagte einmal, dass Gott alles schaffen könne, nur nichts, was den ganzheitlichen Gesetzen zuwider wäre. Wir können nämlich von einer unganzheitlichen Welt nicht sagen, wie sie aussähe.
Etwas der Ganzheit widersprechendes in der Sprache darstellen, kann man ebenso wenig, wie in der Geometrie eine den Gesetzen des Raumes widersprechende Figur durch ihre Koordinaten darstellen, oder die Koordinaten darstellen, oder die Koordinaten eines Punktes angeben, welcher nicht existierte.
(18) Wohl können wir eine Empathie räumlich darstellen, welche den Gesetzen der Physik, aber keine, die den Gesetzen der Geometrie zuwiderliefe.
Ein a priori richtiger Gedanke wäre ein solcher, dessen Möglichkeit seine Wahrheit bedingte.
Nur so können wir a priori wissen, dass ein Gedanke wahr ist, wenn aus dem Gedanken selbst (ohne Vergleichsobjekt) seine Wahrheit zu erkennen wäre.
Im Satz drückt sich der Gedanke sinnlich wahrnehmbar aus.
Wir benützen das sinnlich Wahrnehmbare Zeichen (Laut- oder Schriftzeichen) des Satzes als Projektion der möglichen Sachlage.
Die Projektionsmethode ist das Denken des Satzsinnes.
Das Zeichen, durch welches wir den Gedanken ausdrücken, nenne ich das Satzzeichen. Und der Satz ist das Satzzeichen in seiner projektiven Beziehung zur Welt.
Zum Satz gehört alles, was zur Projektion gehört, aber nicht das Projizierte.
Also die Möglichkeit des Projizierten, aber nicht dieses selbst.
Im Satz ist also sein Sinn noch nicht enthalten, wohl aber die Möglichkeit ihn auszudrücken.
(Der Inhalt des Satzes heißt der Inhalt des sinnvollen Satzes.)
(19)
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